Karlfried Graf Dürckheim
Karlfried Graf Dürckheim (1896-1988) hatte in München und Kiel Psychologie und Philosophie studiert, in Kiel promoviert (1923 "Erlebnisformen – Ansätze zu einer analytischen Situationspsychologie") und in Leipzig habilitiert (1929/30 "Erlebniswirklichkeit und ihr Verständnis").
Ganzheitspsychologie und Einheitsphilosophie
In seinem Studium und in seiner Lehrtätigkeit widmete sich Dürckheim vor allem der "Denkpsychologie" und den qualitativen "Erlebnisformen" des Psychischen und fand sowohl in Kiel als auch in Leipzig in Prof. Dr. Felix Krueger, Nachfolger Wilhelm Wundts, Unterstützung und Anerkennung für seinen Ansatz. Dürckheims Konzept der "Einheitsphilosophie" ließ sich fruchtbar mit Kruegers Ganzheitspsychologie vereinbaren, und so traf Dürckheim in der "Leipziger Psychologenschule" unter Krueger, der als erster im Zusammenhang der
Entdeckung des "Erlebens" und des "Erlebnisses" das Gefühl bzw. das Fühlen in seiner Bedeutung für eine anthropologisch vertiefte Psychologie erkannte, erforschte und belegte, auf ein Umfeld, das seinen eigenen Grundanschauungen entgegenkam und sein eigenes Forschen bis hin zur Ausformung seiner eigenen, der Initiatischen Therapie, sehr förderte.
Seminar- und Lehrtätigkeit
Ab 1926 hielt Dürckheim u. a. verschiedene Seminare zur experimentellen Psychologie des Denkens, zur Psychologie der Gefühle, einen Einführungskurs in die experimentelle Psychologie, Übungen zur Psychologie des kindlichen Denkens, zur Sozialpsychologie sowie Charakterologien der Gegenwart. Wesentlicher Teil seiner Arbeit am Psychologischen Institut bildete die Leitung einer Reihe von Untersuchungen, die sich in sozialpsychologischer Richtung bewegten. In dieser Zeit bereitet er auch seine Habilitationsarbeit vor. Am 17. 2. 1930 erhielt er die Venia legendi, die Erlaubnis an Hochschulen zu lehren, für Philosophie und Psychologie.
Dürckheim lag vor allem an praktisch-pädagogischer Arbeit, nicht an einer wissenschaftlichen Karriere, und so gab er zunächst Kurse an der Fichte-Volkshochschule Leipzig sowie Vorlesungen am Bauhaus in Dessau. 1931 wurde er Professor an der Pädagogischen Akademie Breslau und 1932, nach deren Schließung, an der Hochschule für Lehrerbildung in Kiel.
10 Jahre Japan
1938 ging Graf Dürckheim (mit Unterbrechungen) für knapp 10 Jahre nach Japan und begegnete dort dem Zen- Buddhismus und seinen Übungswegen. Zurückgekehrt nach Deutschland entwickelte sich eine ausgedehnte Vortrags- und Seminartätigkeit in In- und Ausland.
Brückenschlag zwischen westlicher und östlicher Anthropologie und Psychologie
Dürckheim gilt als einer der ersten, die nach dem 2. Weltkrieg "Zen" aus Japan nach Deutschland gebracht haben und als wichtiger Vertreter der Zen-Meditation. Er leistete mit seinem Werk einen entscheidenden Beitrag zum Brückenschlag zwischen westlicher und östlicher Anthropologie und Psychologie.
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Maria Hippius
Maria Hippius (1909-2003) hatte zunächst in Freiburg und Berlin, später in Leipzig Psychologie, Philosophie und Soziologie studiert und auch Vorlesungen in psychiatrischer Medizin besucht. Insbesondere machte sie sich mit der Ausdruckslehre und Charakterkunde des Philosophen Ludwig Klages vertraut, sowie mit dem Werk des Biologen Hans Driesch.
Graphischer Ausdruck von Gefühlen
Ihre Dissertation (1932 ) beschäftigte sich mit dem "Graphischen Ausdruck von Gefühlen" (Hippius, M.1936: Graphischer Ausdruck von Gefühlen. Zeitschrift für angewandte Psychologie und Charakterkunde).
Tiefenpsychologische Studien
Maria Hippius war mit Carl Gustav Jung persönlich bekannt und absolvierte eine Lehranalyse bei dessen Schüler Gustav Richard Heyer.
Es folgten Studien bei Erich Neumann und Jean Gebser.
Psychotherapeutische Tätigkeit
In der 1951 von ihr und Karlfried Graf Dürckheim begründeten Existential-psychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für Initiatische Therapie, war Maria Hippius neben ihrer eigenen psychotherapeutischen Tätigkeit für die Ausbildung der im Laufe der Jahre über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (von denen die meisten heute weltweit in der Initiatischen Therapie tätig sind) sowie für die Supervision der in Rütte ansässigen Mitarbeiter verantwortlich.
"Doktorhaus" - ehemaliger Wohnort und Keimzelle der Arbeit wurde 2003 nach dem Tod von Gräfin Dürckheim in private Hände verkauft.
Gründung der Existential-psychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für Initiatische Therapie
1951 gründeten Dürckheim und Hippius die Existential-psychologische Bildungs- und
Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, Schule für Initiatische Therapie, im Hochschwarzwald, die derzeit etwa 20 ortsansässige Mitarbeiter hat.
In der von ihm und Maria Hippius entwickelten Initiatischen Therapie vereinen Dürckheim und Hippius Erkenntnisse der Einheits- und Ganzheitspsychologie mit tiefenpsychologischen Konzepten, christlicher Mystik und den Übungswegen des Zen zu einer eigenen Form der Psychotherapie, in welcher der Sinn und Heilung suchende Mensch in seinem existentiellen Ringen und Fragen ernstgenommen und auf seinem Weg der Individuation begleitet wird.
Seine der Initiatischen Therapie zugrundeliegende Philosophie stellte Dürckheim in Vorträgen sowie in zahlreichen Büchern umfassend dar.
(Photos von Graf und Gräfin Dürckheim :
Louise Oldenbourg Dipl. Grafikerin FH, München)
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